Vorerst-Abbruch

Im Großen Belt der Ostsee dringt Wasser über das Deck ein. Hinter dem Schaltpaneel, direkt über der verbauten Elektrik. Hier läuft letztendlich alles zusammen, auch das Bussystem für die angeschlossen Geräte, die zu diesem Zeitpunkt alle in Betrieb waren.

In der Nacht des Starttages hatte ich bis zu 25 Knoten Wind gegenan. Mit 6 bis 6,5 Knoten Fahrt schob sich das Schiff über und in die Wellen. Die dabei entstandene Gischt klatschte bis zum Radar, welches am Achterstag angebracht ist. Der Schiffsverkehr hat in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen, und so lief das Radar mit.

Timshal war aufgrund der hohen Zuladung, mit Proviant für 1 Jahr, nicht so bewegungsfreudig, wie bei den Testfahrten. Sie tauchte tiefer in die Wellen und nahm mehr Wasser über. Vielleicht arbeitet das Material bei einem Schiff aus GFK auch insgesamt mehr mit zunehmender Tonnage, und gibt vorher verschlossene Wege frei.

Ich bemerkte das der Kartentisch nass war. Auch waren Instrumente im Schiff ausgefallen.
Hinter dem Schaltpaneel sah ich das Dilemma. Seewasser in der Elektrik, hinter den Anzeigen, und auch aus meinem Navtexempfänger tropfte es.
So gut es ging, versuchte ich alles zu trocknen, doch immer wieder kam Wasser nach.

Ich verstand die Ursache nicht, war sauer; 8 Jahre lang Stück für Stück, wieder alles hergestellt, repariert, letztendlich verbessert. Und nun trifft es den Kern der Elektrik schon in der ersten Nacht.

Einige Anzeigen waren dunkel, oder fielen nun nach und nach aus. Das Radar wurde vom Kartenplotter nicht mehr erkannt. Nach einer Weile hatte ich auch keine GPS Position mehr. Auch ein Umschalten auf ein externes GPS brachte keinen Erfolg.
Kann Seewasser im Bussystem die Instrumente schädigen? Anscheinend…

Kein Radar, kein GPS, kein Navtexempfänger, und wie lange der Kartenpotter noch mitmacht, weiß ich nicht. Weiter leckt Wasser in das Schiff auf die Elektrik.
Wenn nun noch die Positionslichter ausfallen?

Ich habe mich entschlossen wieder umzudrehen, – eine harte Entscheidung. Aber es gilt die Ursache herauszufinden und zu beheben. Dann aber, schnell wieder zu starten.

Nun, im Hafen; Ich kann einfach nicht herausfinden an welcher Stelle das Wasser in das Deck eindringt. Es sieht in Ordnung aus.
Nur die Instrumente bleiben weiterhin defekt.

Das Teakdeck wurde von mir nicht komplett neu verlegt. Aber jede Fuge jede Schraube, jeden Pfropfen, all das habe ich erneuert. Regen, Eis, Schnee über viele Winter. Testfahrten bei rauhem Wetter, gaben mir die Sicherheit,- das Deck war dicht. Ein Trugschluss. Das Teakdeck muss entfernt werden.

Timshal bekommt einen Belag aus GFK. Die defekten Geräte müssen repariert oder ersetzt werden.
Das schaffe ich nicht in ein paar Wochen. Ich muss den kommenden Herbst/Winter nutzen, und nächstes Jahr wieder starten,- mein Projekt verfolgen, einmal die Welt zu umarmen. Also Abbruch. Eine noch härtere Entscheidung. Ich denke an die Menschen die mir bis hier zur Seite standen. Aber es ist gute Seemannschaft nun abzubrechen.

Gern wäre ich jetzt da draussen, bei dicht geholten Schoten, dem gurgeln des Kielwassers lauschen. Doch wir Seefahrer kalkulieren die Risiken einer Unternehmung, und nehmen eben nur Restrisiken in Kauf, die wir unmöglich kalkulieren können. Wir stürzen uns nicht blindlings in ein Abenteuer, auch wenn viele Mythen etwas anderes erzählen.